Talking Period mit MYLILY – Tampons aus Bio-Baumwolle

Von der Software-Entwicklerin zur Tampon-Expertin? Ja, das gibt’s bzw. sie gibt es. Heide Peuckert heißt sie und gemeinsam mit Dennis Werner hat sie MYLILY gegründet, um den Markt für Damen-Hygiene-Produkte – boah (!!!) so ein altbackener Ausdruck – zu revolutionieren und aus einem Tabu ein wichtiges Thema zu machen, das man in seiner Komplexität und vor allem Individualität versteht und worüber Mann und Frau sich ganz selbstverständlich miteinander unterhalten.

Wir sitzen auf dem Küchenboden einer kleinen, spartanisch eingerichteten Altbauwohnung in der Schanze in Hamburg, wo Heide und ihr Team sich vorübergehend eingenistet haben. Gründen wollte Heide schon länger. Seit ein paar Jahren war sie bereits Teil der Hamburger Start-up-Szene; half aus, unterstützte und beobachtete ganz genau, was zu tun ist, wenn es denn dann so weit sein sollte.

Nur was sie für ein Start-up gründen wollte, das war ihr lange Zeit noch nicht bewusst. Bei einem Urlaub in Mexiko war es dann so weit – fast jedenfalls. Eine Mitreisende lehnte einen Tauchgang ab, weil sie gerade ihre Periode hatte. Einen Tampon wollte sie nicht benutzen – aus gesundheitlichen Gründen. Mal ganz ehrlich: Ich habe mich noch nie vorher gefragt, was in einem Tampon so wirklich drin ist. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ein Tampon aus Baumwolle besteht und selbstverständlich keine Chemie enthalten darf. Die meisten konventionellen Tampons bestehen aus Viskose oder anderen Cellulosefasern sowie unterschiedlichen Polymeren (Plastik), enthalten Duftstoffe oder auch Bleichmittel. Keine Ahnung, wie viele Tampons eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich so verbraucht, aber es dürften einige sein. Es gibt keine Deklarierungspflicht, was so viel bedeutet, dass die Hersteller gar nicht angeben müssen, was enthalten ist. Und wenn man dann so ein konventionelles Teil mal auseinander nimmt, dann sieht man auch die feine Plastikschicht, die da so drum herum gewickelt ist, damit es einfacher flutscht.

Da diskutieren wir über Mikroplastik, machen uns Gedanken, wie viel sich davon wohl bereits in unserer Umwelt und in unserem Körper befinden mag und schieben uns freiwillig Plastik und Co. an bzw. in unsere sensibelste Stelle, zur sensibelsten Zeit im Zyklus. Macht man den Test und lässt einen Tampon aus Cellulosefasern über mehrere Stunden in einem Glas Wasser, kann man ganz gut sehen, dass sich die feinen Fasern lösen. Ein Baumwoll-Tampon dagegen quillt auf, ohne – sichtbar – Fasern zu verlieren. Das hängt wahrscheinlich mit der Faserlänge zusammen, die, je nach Qualität, bis zu 35mm lang sind, und somit einfach besser ineinander greifen als Cellulosefasern.

Nachdem Heide, zurück aus Mexiko, wieder in Hamburg war und feststellte, dass die Bereitschaft, sich über den Zyklus und vor allem auch die Periode auszutauschen tatsächlich gar nicht so groß war, war sie ready zur Gründung.

MYLILY Tampons gibt es in drei unterschiedlichen Größen. Wer mag, bestellt online über die Seite ein Abo, das dann – dank der schlanken Verpackung – ganz normal im Briefkasten landet. Menge, Zeitabstand und auch unterschiedliche Größen kann man selbst bestimmen. Man kann natürlich auch einzeln ordern. Eine Packung mit 16 Tampons kostet rund 4 Euro. Inzwischen sind MYLILY-Tampons aber auch in einigen Drogeriemärkten erhältlich.

„Keine Chemie, kein Plastik, kein Bullshit!“

Hinter MYLILY steckt ein Produkt aus rein GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifizierter Bio-Baumwolle, was bedeutet, dass sie frei von Pestiziden und anderen Chemikalien ist, die den Menschen, die mit ihr in Berührung kommen oder der Umwelt schaden könnten. Außerdem beinhaltet das GOTS-Zertifikat auch soziale Kriterien, die u.a. Kinderarbeit verbieten und den Menschen einen Mindestlohn garantieren. MYLILY soll aber noch mehr sein als ein Unternehmen: Via Instagram und über den eigenen MYLILY-Blog hat sich inzwischen eine Community gebildet, die sich über Body Positivity, PMS (Prämenstruelles Syndrom), den Zyklus, Verhütung und einen nachhaltigeren Lebensstil austauscht.

Mein Fazit: Aus Rücksicht auf die Umwelt sind Menstruationstassen wahrscheinlich die beste Alternative zu konventionellen Tampons und Binden. Auch ein Tampon aus Biobaumwolle bleibt ein Wegwerf-Produkt. Ich schleiche allerdings immer noch um mein Tässchen herum und bin tatsächlich Tampon-Nutzer. Bis ich mich an die Tasse wage, haben Tampons aus Bio-Baumwolle bei mir den Vortritt. Vielen Dank Heide für deine Zeit und euer tolles Produkt, auf das hoffentlich noch viele weitere folgen werden!

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