©Johannes Wienke

Auf der Ethical Fashion in Berlin bin ich auf Jula und Anna von Jan ‘n June gestoßen. Aufgefallen sind mir die beiden, weil sie das gleiche Kleid trugen und ich es  sofort haben wollte. Jetzt habe ich sie in ihrem Atelier besucht, mit ihnen über ihr Label gequatscht und ihnen das letzte Exemplar von Emma (dem schönen Kleid) in meiner Größe abgekauft.

Juliana Holtzheimer und Anna Bronowski lernten sich während ihres Modemanagement Studiums an der AMD (Akademie Mode und Design) in Hamburg kennen und stellten relativ schnell fest, dass sie sich mochten und Lust darauf hatten, etwas Gemeinsames zu starten. Was, das wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zum Ende ihres Studiums reifte dann die Idee und war irgendwann so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr anders konnten, als loszulegen. Ihr Ziel: ein nachhaltiges Label mit modischem Anspruch, das bezahlbare Kleidung macht – denn das konnten sie bis dato auf dem deutschen Markt nicht finden.

Sie setzten sich die folgende Sommerkollektion als Deadline. Per Crowdfunding bekamen sie das erste Geld zusammen und zogen so gleichzeitig Aufmerksamkeit auf ihr Label. „Unsere erste Kollektion umfasste zwölf Teile und verkaufte sich recht gut”, so Jula. „Danach kam erstmal ein kleiner Einbruch. Dann haben wir angefangen mit Bloggern zu arbeiten und uns über Instagram publik zu machen. Mit der ersten Messe wurde es dann auch wieder besser. Seit März letzten Jahres haben wir unseren Onlineshop. In der Szene kennen uns inzwischen die meisten”, so Anna.

„Ich komme nicht damit klar, dass ein gutes Stück Käse teurer ist als ein T-Shirt”

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„Selbst die großen Unternehmen müssen bei ihren Preisen zum Teil draufzahlen, um die Erwartungen ihrer Kunden erfüllen zu können. Aber sie haben sich die Kunden so erzogen, dass sie erwarten, dass ein T-Shirt 4,90 Euro kostet”, so Jula. Ein Jan-‘n-June-T-Shirt bekommt man für circa 32 Euro, made in Europe. Der direkte Vertriebsweg macht die Preise möglich. Durch die zusätzliche Order anderer Shops können sie selbst größere Mengen einkaufen, mehr produzieren und sich publik machen, durch den direkten Verkauf verdienen sie ihr Geld. „Unser Unternehmen ist gesund und trägt sich selbst”, sagt Anna. Momentan machen die beiden noch alles selbst und haben keine Angestellten. Miete und Gehälter fallen noch nicht an, so bleiben ihre Kosten überschaubar. Mit zusätzlichen Nebenjobs kommen sie über die Runden.

Durch Julas (rechts im Bild) polnische Wurzeln und die Nähe zu Deutschland kamen sie auf Breslau als Produktionsort. In dem kleinen Betrieb wurde durch das Auftragsvolumen inzwischen schon eine weitere Näherin eingestellt. Zu den Materialien mit denen sie arbeiten gehören recyceltes Polyester und Polyamid, welche aus Fischernetzen und Meeresmüll hergestellt werden, Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle und Lyocell, ein Viskose-ähnliches Gewebe, das umweltschonender in der Herstellung ist. „Unsere Farben sind bei den Bio Qualitäten GOTS und bei den recycelten grs oder Blue Sign zertifiziert. Bei Blue Sign muss die komplette Produktionsstätte nachhaltig sein, auch was den Stromverbrauch betrifft und die Abwässer”, erzählt Anna.

Sie selbst haben an ihren Kleidung, wie viele kleinere Marken, kein Siegel dran. Das liegt auch an den Kosten dafür. „Außerdem sind die Siegel schwierig auseinander zu halten, auch für den Kunden. Biologische und recycelte Materialien sind da zwei komplett verschiedene Sachen. Wir müssten uns dann mehrere Siegel holen. Nachhaltigkeit wird ja auch unterschiedlich interpretiert. Manche achten nur auf die Materialien, andere auf die Produktionsbedingungen und wieder andere auf beides. Wir haben für uns eine Ecco ID entwickelt. An jedem Artikel hängt ein QR-Code. Scannt man diesen, erfährt man alles über die Materialien und Herstellung”, so Anna.

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