Darum ist im Kinder-Zahngel kein Fluorid enthalten – Interview mit Weleda

 

Wenn ich vor dem Regal mit Zahnpflege-Produkten für Kinder stehe, bin ich immer etwas verunsichert. Rein aus meinem Gefühl heraus, würde ich mich immer für ein Produkt eines Naturkosmetik-Herstellers entscheiden. Doch die enthalten meist kein Fluorid. Und ich dachte immer, gerade Fluorid wäre wichtig für Kinder- und vor allem Milchzähne.
Ich erinnere mich noch an das orangefarbene und sehr süße Fluorid-Zahngel, das wir in den 80ern einmal die Woche benutzen sollten. Ich habe bei Weleda nachgefragt, was es mit dem Verzicht auf Fluorid im Kinder-Zahngel auf sich hat. Meine Fragen hat mir die Naturkosmetikexpertin Lilith Schwerte beantwortet.

 

Was ist Fluorid?

Lilith Schwerte: Fluorid gehört zu den sogenannten Spurenelementen und ist ein wichtiger Baustein des menschlichen Körpers. Es ist an der Knochenbildung und am Knochenwachstum maßgeblich beteiligt. Es härtet nicht nur Knochen, sondern auch den Zahnschmelz.

Warum enthält das Zahngel für Kinder von Weleda kein Fluorid?

L. S.: Eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Fluoriden kann das Auftreten von Karies deutlich mindern. Fluorid kann aber, auch wegen eines individuell unterschiedlichen Bedarfs, leicht überdosiert werden, was negative Effekte auslösen kann, darunter eine erhöhte Knochenbrüchigkeit und Zahnfluorose.

 

„Als anthroposophisch inspiriertes Unternehmen bezieht Weleda auch aus der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners stammende Aspekte in die Produktentwicklung mit ein.“

 

L. S.: Vor diesem Hintergrund repräsentiert das Mineral Fluorid einen starken Impuls, der zu einer Verhärtung des Menschen als physisch-seelisch-geistige Einheit, und unter Umständen zu einer Behinderung seiner Entwicklungsfähigkeit führen könnte. Auch von diesem Standpunkt aus betrachtet, sollten Menschen die Menge an Fluorid, die sie einnehmen, bewusst dosieren können. Da Fluoride von Natur aus in verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten sind, wird die individuell benötigte Dosis an Fluorid oft durch die Nahrung erreicht. Aus diesen Gründen setzt Weleda in ihren Mundpflegeprodukten keine wasserlöslichen Fluoride ein. Sie bietet damit den Konsumenten eine Alternative zu fluoridierten Zahnpflegeprodukten an. Eine Fluoridgabe als therapeutische Maßnahme kann bei Mangelerscheinungen sinnvoll sein, sollte aber unserer Ansicht nach mit einem Arzt besprochen werden.

 

Brauchen Milchzähne Ihrer Meinung nach kein Fluorid?

 

L. S.: Wie bereits erwähnt, wird Fluorid für das Wachstum und die Festigung des Zahnschmelzes benötigt. Zudem gehört die Verwendung von Fluoriden, die auch die Remineralisierung des Zahnschmelzes fördern, neben Ernährung und Mundhygiene zu den drei wichtigen Faktoren der Kariesprophylaxe. Die Fluoridanwendung wird von Experten meist als die wichtigste kariesprophylaktische Maßnahme bezeichnet – aber sie alleine kann Karies nicht vermeiden. Eltern sollten deshalb für eine ausreichende Fluoridversorgung, eine ausgewogene Ernährung, die möglichst frei von verstecktem Zucker ist und viel frisches Gemüse, Obst und Vollkornprodukte enthält, und ein gründliches Putzen der Zähne sorgen.

 

Auf welche Inhaltsstoffe verzichtet Weleda in seinem Zahngel außerdem im Vergleich zu anderen Herstellern?

L. S.: Das Kinder-Zahngel wurde speziell für die Pflege der Milchzähne und die Harmonisierung der kindlichen Mundflora entwickelt. Es enthält keine Substanzen, die den Organismus belasten, wenn das Gel verschluckt wird. Weleda verwendet außerdem keine schaumbildenden Tenside in seinen Mundpflege-Produkten. Das Zahngel ist frei von synthetischen Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffen und enthält keine Süß- oder Zuckerersatzstoffe. Unser Kinder-Zahngel wurde auf der Grundlage ganzheitlicher Gesichtspunkte entwickelt und ist mild im Geschmack. Für die zweiten Zähne empfehlen wir als Folgeprodukt das Pflanzen-Zahngel oder Calendula Zahncreme. Beide Zahnpflegeprodukte sind ebenfalls frei von wasserlöslichen Fluoriden.

Vielen Dank an Lilith Schwerte!

 

Fazit: Wir werden das Zahngel weiterhin benutzen, weil das für uns alles sehr schlüssig klingt. Trotzdem werden wir zusätzlich eine Zahnpasta kaufen, die Fluorid enthält und die beiden dann im Wechsel verwenden; und vor allem auch mal mit unserem Zahnarzt darüber sprechen. Ob es einen Unterschied macht, das Fluorid direkt auf die Zähne aufzutragen oder es über die Nahrung aufzunehmen, weiß ich noch nicht. Außerdem werden wir darauf achten, dass unser Kind mehr fluoridhaltige Lebensmittel zu sich nimmt. Fluorid ist zum Beispiel in Fisch, Getreide, Milch, Nüssen (vor allem Walnüssen) und in Mineralwasser enthalten.

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