Apulien – wunderschönes Fleckchen Italien

Dass eine Fernreise mit unserem Baby nicht für uns infrage kommen würde, war schnell klar als mein Mann und ich begannen, einen vierwöchigen Urlaub in unserer gemeinsamen Elternzeit zu planen. Doch wo sollten wir hin? In Europa wollten wir bleiben und beide neue Orte sehen. Nach ein wenig Recherche war dann schnell klar, dass unser südlichstes Ziel der Stiefelabsatz Italiens sein würde: Apulien. Von der Ursprünglichkeit hatten wir  gelesen und von kleinen Straßen, die durch Felder mit knorrigen Olivenbäumen führen. Von Schotterpisten, kleinen Orten mit barocken Bauten, weiß gekalkten Häusern, frischem Fisch und großen Herzen gefüllt mit ganz viel Liebe für Familien und vor allem für Kinder.

 

 

Da wir nie dort waren, haben wir uns für keinen bestimmten Ort entschieden. Unsere Unterkunft sollte nicht zu weit weg vom Meer sein. Ein schönes Apartment in einem alten Bauernhof, wenn möglich mit Pool – das war unser Wunsch. Alte Bauern- bzw. Gutshöfe heißen in Apulien Masseria. Oft liegen sie versteckt an einer kurvigen Straße, irgendwo zwischen den Orten. Viele haben sogar auch Trulli mit auf dem Gelände, die man mieten kann. Das sind die verwunschenen runden Steinhäuschen mit Dächern, die wie Zipfelmützen aussehen. Die App Agritourismo spuckte für uns die Masseria Selvaggi zwischen Ostuni und Martina Franca aus. Unser Apartment war perfekt! Es war groß, hatte sehr dicke Steinwände, die auch bei großer Hitze dafür sorgten, dass es auch ohne Klimaanlage schön kühl blieb. Von der Küche ging es direkt auf die Terrasse und dann weiter zum Pool. In der Nebensaison (Juni) haben wir 85 Euro pro Nacht inkl. Frühstück für zwei Erwachsene und ein Kleinkind (kostenfrei) bezahlt.

 

Alberobello

Alberobello gehört bestimmt zu den bekanntesten unter den Orten Apuliens. Die gesamte Altstadt besteht aus den Trulli, die sich Treppe hoch, Treppe runter aneinanderreihen. Die kleinen runden Steinhäuser mit den Kegeldächern sehen auch wirklich bezaubernd aus. Um die Entstehung der Häuschen ragen sich viele Legenden. Angeblich wollte man so um 1700 die Steuer für ein Haus umgehen. Ich würde empfehlen, gleich morgens hinzufahren. Viel Zeit muss man dafür nicht einplanen, denn mehr als den Blick über die Dächer und einen Spaziergang durch die Gassen kann man dort nicht genießen. In vielen Trulli befinden sich Souvenir-Shops, die eher Ramsch anbieten als tolle Mitbringsel.

Monopoli

Oh wie schön ist diese kleine Stadt. Hier würde ich am liebsten eine ganze Straßenzug für meine Familie und Freunde kaufen. Hier kann man sich, wie in so vielen Orten Apuliens, einfach nur treiben lassen. Verwinkelte Gässchen, kleine Terrassen und ein Hafen versprühen italienischen Charme ohne Ende. Wir mussten uns ein wenig die Zeit vertreiben, bis wir einen Tisch in einem Restaurant hatten, in dem wir unbedingt essen wollten. Auf dem Marktplatz haben wir ein Glas Rosé getrunken, uns unterhalten und das Treiben beobachtet. Danach haben wir uns die Kathedrale angesehen. Für eine Stadt mit knapp 50 000 Einwohnern ist das ein wahnsinnig imposantes Bauwerk und liegt fast ein wenig versteckt in einer Sackgasse. Wer mag, kann in Monopoli auch noch schnell ins Meer springen, bevor dann endlich gegessen wird.

Das Restaurant Il Guazzetto ist bekannt für seinen frischen Fisch, der gerne nach eigenem Wunsch zubereitet wird. Wir hatten den Tipp aus der App, die ich euch unten vorstelle. Für uns gab es hervorragenden frischen Pulpo und fritierte Meeresfrüchte. Unbedingt reservieren, da es vor allem bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Sonntags geht gern die ganze Familie nach dem Gottesdienst essen und beliebte Restaurants sind dann zur Mittagszeit sehr voll.

 

 

Strände

An den langen Stränden der Adria reiht sich Liegestuhl an Liegestuhl. Da ganz Italien im August Urlaub macht und dies an den Stränden des Landes, kann es hier sehr voll werden – vor allem dort, wo die Beachclubs sind. Im Juni war es dagegen noch sehr leer. Wir waren am Lido Albatros. Dieser liegt am Ionischen Meer, was eine Empfehlung von Einheimischen war. Der Ort, der zum Strand führt sieht aus wie eine Filmkulisse aus den 60er-Jahren und erinnert mit seinen Bauten ein wenig an Palm Springs – so stelle ich mir das jedenfalls vor. Leider habe ich keine Fotos gemacht. Der Strand an sich hat uns allerdings nicht vom Hocker gehauen. Ehrlich gesagt hat das keiner so richtig, aber unser Fokus lag mit einem halbjährigen Kind auch eher nicht darauf, versteckte Buchten zu finden.

Mangiare

Eine Empfehlung, die ich vorher bekommen habe und die ich unbedingt an euch weitergeben möchte, ist die App von Slow Food Osterie d’Italia. Dort findet man Restaurant-Tipps von Insidern, die Ahnung von guter Küche haben. Schließlich ist es die Philosphie des in Italien gegründeten Vereins Slow Food, mit regionalen und saisonalen Produkten zu arbeiten und dies total authentisch und vor allem slow. Gegründet wurde der Verein als Gegenbewegung zum Fast Food Hype. Die App kann man mit Maps verbunden werden und ist sehr übersichtlich. Alle Restaurant-Empfehlungen hier haben wir mithilfe der App gefunden. Ein weiteres Restaurant, das wir super fanden, ist das Cibus in Ceglie Messapice. Hier wird klassisch italienisch gegessen. Antipasti, dann Pasta und dann Fisch oder Fleisch als Hauptgang. Übrigens kommt der Großteil des italienischen Olivenöls aus Apulien. An den Straßen stehen immer wieder Schilder, die zu Höfen führen und zum Testen einladen. Wir fanden das Öl von Olio Intini aus Alberobello super lecker.

Treiben lassen

Ob Ostuni, Lecce, Locorotondo und wie sie nicht alle heißen. Ich würde euch empfehlen, keine Liste für Apulien zu machen, wenn ihr nicht bestimmte Bauten oder Museen sehen wollt. Alle Orte, die wir auf unserer Reise gesehen haben, egal wie groß sie waren, haben uns verzaubert. Die Stimmung, die Architektur, die Weite zwischen den Orten und die Ursprünglichkeit schreien förmlich danach, keinen festen Plan zu haben. Fragt Einheimische, wo sie gerne baden gehen, wo der nächste Wochenmarkt ist und wer das leckerste Olivenöl verkauft.

 

Reisen mit Kind

Italiener sind so herzlich und mit Kind waren wir bisher immer mehr als willkommen! In allen Apartments gab es ein Kinderbett (ohne Aufschlag). Große Strände sind zwar nicht immer die schönsten, dafür gibt es Sonnenschirme. Eine Unterkunft mit Pool ist perfekt, vor allem wenn er in Reichweite eines Babyphones liegt. Wir haben ein wenig den Rhythmus der Italiener angenommen und Siesta in der großen Mittagshitze gemacht. Dafür halten die Kleinen dann abends länger durch.

 

Tipps:

  • Von 13 bis ca. 17 Uhr ist Siesta und fast alle Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Restaurants haben meist erst wieder ab 19:30 Uhr geöffnet.
  • Online Wochenmärkte checken. Die Vielfalt an frischem Obst und Gemüse ist riesig und hier für sehr wenig Geld zu haben. Hier habt ihr einen tollen Überblick.
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